Laufen am wunderschönen Königssee

Seit einigen Jahren verfolge ich einen selbst auferlegten Plan: Überall auf meinen Reisen in Deutschland oder Nachbarländern, wo ich zwei oder mehr Tage verweile, mindestens eine Laufrunde zu drehen. Somit packte ich auch für unseren Urlaub im September am Königssee im Berchtesgadener Land reichlich Laufbekleidung ein. Wir verbrachten ganze zehn Tage dort, also genug Zeit für mein liebstes Hobby. Dachte ich. Mein Mann schmunzelte. Er zweifelte, ob sich für mich überhaupt eine Gelegenheit zum Laufen ergeben würde. Schließlich planten wir fast jeden Tag eine ausgiebige Wanderung… Die Realität holte mich tatsächlich schnell ein.

Ankunft im Berchtesgadener Land

Als wir im Berchtesgadener Land ankamen, war ich bereits hin und weg von der malerischen Landschaft. Die Orte Berchtesgaden und (Ober)-Schönau sind umgeben von hohen Bergen. Die Wiesen erstrahlten in einem so kräftigen Grün als hätte jemand in der realen Welt mit Photoshop nachgeholfen. Das Wasser der Bäche und Seen war so klar, dass man am Grund jeden Stein erkennen und die Fische fröhlich ihre Runden drehen sehen konnte.

Das alles und schönster Sonnenschein luden am ersten Tag dazu ein, die Gegend mit Wanderschuhen zu erkunden. Das macht auch Sinn, wenn die erste Laufeinheit nicht blindlinks vonstattengehen soll. Klar, manchmal bleibt zu wenig Zeit, eine Route zu planen. Auf beruflichen Reisen ist das meistens der Fall. Aus Angst, die Orientierung zu verlieren, laufe ich dann eine Strecke bis zur Hälfte der geplanten Distanz in eine Richtung, wende dort und laufe selbige Strecke zurück. Dieses Vorgehen ist immer noch besser als gar nicht zu laufen und Trübsal zu blasen. Zum Glück handelte es sich im Berchtesgadener Land um unseren Urlaub und nicht um eine berufliche Reise.

Somit folgten wir von unserem Hotel aus den gelben Ausschilderungen etwa 4,5 km bergab bis zum Königssee. Wie wir feststellten, führten viele Wege dorthin, sodass wir zurück zum Hotel in Oberschönau eine andere Route wählten. Für mich stand fest, das würde auch meine Laufroute sein. Doch wie schon eingangs erwähnt, war es schwieriger als vor Antritt der Reise angenommen, Zeit und Elan fürs Laufen zu finden.

Der Königssee

Der Königssee, fotografiert vom Wanderweg “Malerwinkel” aus

Wandern vs. Laufen in den Bergen

Die Gegend ist ideal zum Wandern. So waren wir fast täglich wandernd unterwegs. Egal, ob am oder hinter dem Königssee bis zum höchsten Wasserfall Deutschlands, an der Wimbachklamm, Ramsau, Hintersee oder unser Aufstieg zum 1870 Meter hohen Jenner, es gab so Vieles zu entdecken. Natürlich stets mit Kamera im Rucksack. Ich schöpfte Kraft daraus, in Ruhe die Natur zu genießen anstatt einfach an der traumhaften Kulisse vorbeizujoggen.

Abends zurück im Hotel war ich jedes Mal nach solch einem Wandertag ziemlich fertig und hungrig. Da denkt man, als Läufer ist man fit und hat gute Kondition. Das Wandern ist jedoch eine ganz andere Belastung. Der Muskelkater nach den ersten Tagen in den Oberschenkeln hat das belegt.

Laufen am Königssee mit Orientierungshilfe

Die erste von zwei Laufrunden schaffte ich somit erst am fünften Tag unseres Urlaubs. Wir unternahmen einen vergleichsweise entspannten Ausflug nach Salzburg. Zurück waren wir am späten Nachmittag. So hatte ich noch genug Zeit für eine Laufrunde vor dem Vier-Gänge-Abendessen im Rahmen unserer Halbpension.

Ich nahm ausnahmsweise das Smartphone mit. Normalerweise stört mich das zusätzliche Gewicht des Geräts beim Laufen, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen und notfalls zurück zum Hotel navigieren können. Dies sollte sich noch als kluge Entscheidung erweisen. Ich nahm mir die Route vor, die wir am ersten Urlaubstag gewandert sind. Hin zum Königssee zu laufen war simpel. An jeder Kreuzung verrieten gelbe Schilder den Weg. Die zweite Hälfte der Strecke, also der Rückweg vom Königssee zum Hotel offenbarte sich als größere Herausforderung. Die Wegweiser waren nicht mehr ganz so trivial. Sie verrieten nur allgemein die Richtung nach Berchtesgaden oder Schönau. Wieso sollte auch jedes einzelne Hotel vom Königssee aus ausgeschildert sein?

Laufstrecke von Oberschönau zum Königssee und zurück © TomTom MySports

Laufstrecke von Oberschönau zum Königssee und zurück © Screenshot TomTom MySports

Ich griff also auf dem Rückweg zum Handy und befahl Google Maps, mich zu navigieren. Hilfreicher Nebeneffekt war, dass ich nicht mehr an jeder Ausschilderung langsamer laufen musste, um die kleine Schrift zu lesen. Die Stimme von Google half mir an jeder Kreuzung laut und bestimmt, mich zu orientieren. Das sorgte für den ein oder anderen schmunzelnden Blick von Spaziergängern. Aber egal, Hauptsache ich verlaufe mich nicht und komme an meinem Ziel an. 🙂

Ein bergiger Lauf

Eine weitere Gegebenheit war, dass es im Berchtesgadener Land – welch Überraschung – sehr bergig ist. Jedenfalls für einen Flachlandtiroler wie mich. Hin zum Königssee ging es von Oberschönau aus ordentlich bergab, teilweise mit mehr als 10 Prozent Gefälle. Eine nicht zu unterschätzende Belastung für die Kniegelenke, wenn man sonst vorrangig ebene Strecken läuft. Hier ist es umso wichtiger auf eine gute Lauftechnik und Körperhaltung zu achten. Dennoch, ich staunte nicht schlecht, als ich in null Komma nichts unten am Königssee ankam.

Vor dem Umkehren beim Lauf die Landschaft am Königssee genießen

Gegen Abend am Königssee zu laufen ist wie Balsam für die Seele

Zu Hause bin ich beim Laufen kein großer Fan davon, einfach mitten auf der Strecke zu pausieren. Aber in dieser traumhaften Kulisse dachte ich mir: So viel Zeit muss sein! Es war gegen 18:30 Uhr und die Touristenmasse vom Tag hat sich bereits deutlich gelichtet. Die letzten von Salet und St. Bartholomä zurückkommenden Elektroboote legten gerade an. Ich genoss noch zwei bis drei Minuten die Landschaft des von steilen Bergen umgebenen Königssees. Bevor es zurück Richtung Hotel ging, erinnerte ich mich an die gratis Trinkwasserquelle direkt an einem der Gebäude am Ufer nur wenige Meter entfernt. Diese nutzte ich für eine schnelle Erfrischung, denn mir war bewusst, dass mir der anspruchsvollste Teil der Laufroute noch bevor stand. Schließlich musste ich die 10 bis 20 Prozent Steigung nun bergauf bewältigen.

Trinkwasserquelle am Königssee

Trinkwasserquelle direkt am Königssee

Je näher ich unserem Hotel kam, desto heftiger war der Anstieg. Ich berichtete im letzten Beitrag vom Sandberg, über den die Strecke vom Heidelauf Halle verläuft. Diesen Berg überwand ich im Berchtesgadener Land gefühlt fünf Mal hintereinander. Als ich oben ankam, lagen nur noch etwa 500 Meter bis zum Hotel vor mir. Zum Glück. Ich atmete für einen Moment so schwer, als wäre ich lungenkrank. Hätte mich jemand so gekrümmt vor mich hin schleichen sehen, hätte sich die Person ebenfalls gekrümmt – vor Lachen. Doch ich hatte mich schnell wieder erholt und es blieben vor allem die guten Erinnerungen an diese Acht-Kilometer-Laufeinheit in einer wunderschönen Landschaft.

Ein von Zauberhand gelenkter Lauf

Die folgenden Tage waren wieder zum großen Teil durch Wanderungen geprägt. Zwei Tage vor der Rückreise ergab sich dennoch eine zweite und für diesen Urlaub letzte Möglichkeit für einen Lauf. Eigentlich nahm ich mir vor, eine Route Richtung Berchtesgaden und zurück zu laufen. Diese Strecke sind wir ebenfalls bereits gewandert. Mein Vorhaben stand sogar so lange fest, dass ich meinem Mann kurz vor dem Start diese geplante Route beschrieb. Doch kaum habe ich die ersten 100 Meter hinter mich gebracht, zog es mich erneut wie von Zauberhand in eine mir mittlerweile sehr vertraute Richtung. Aber was soll’s. Ich schaltete ab und folgte meinen Füßen. Prompt landete ich wieder am wunderschönen Königssee. Möglicherweise war es mein Unterbewusstsein, das mich leitete, denn schon bald mussten wir von dieser malerischen Gegend Abschied nehmen. So nutzte ich noch einmal die Gelegenheit, für mich allein den See und die Landschaft zu genießen.

Fazit

Sonnenuntergang in Oberschönau

Der Sonnentuntergang lässt die Berge bei Oberschönau golden erstrahlen.

Somit blieb es in diesem Urlaub bei zwei Laufeinheiten am Königssee, umrahmt von zahlreichen Wanderungen, die auch von einer Ausdauersportlerin wie mir spürbar Kraft und Ausdauer forderten. Schlussendlich war ich glücklich, Zeit für diese beiden Läufe gefunden zu haben. Sie lehrten mich, was es wirklich heißt, bergige Strecken zu absolvieren. Auch in Halle gibt es einige Anstiege. Die nehme ich jetzt leichter. Nicht unbedingt im körperlichen Sinne. Aber mental bleibt mir der Trainingseffekt noch bis heute, einige Wochen später, erhalten.

Ich kann jedem, der in den Bergen Urlaub macht, egal ob im Berchtesgadener Land oder woanders, ans Herz legen, die Laufsachen einzupacken und sich mindestens einmal Zeit fürs Laufen zu nehmen. Erholung für die Seele, die Sinne und ganz nebenbei auch ein erkennbarer Trainingseffekt im Bergauflaufen sind garantiert. 😉

Wie teilt ihr euch die Zeit für Ausflüge, Familie und Laufen im Urlaub ein? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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