Kampf dem Marathon-Blues

Endlich verspüre ich wieder Lust und Laune, mein Notizbuch aufzuschlagen, um diesen Blog-Beitrag zu schreiben. Der Letzte liegt bereits fast drei Monate zurück. Ausreden gibt es viele. Zu wenig Zeit aufgrund meiner Marathonvorbereitungen? Vor dem Marathon-Blues war einmal die Schreibblockade… Es scheint ein Paradoxon, wenn es genau die Aktivität ist, um die sich mein gesamter Blog dreht, die mich vom Schreiben abhält – das Laufen. Möglicherweise war es auch der Jobwechsel Mitte Februar, was eine aufregende Zeit ist, die viel Energie fordert.

Marathon während des Lockdowns

Aber das soll hier nicht Thema sein, sondern wie ich mich nach dem absolvierten Marathon fühlte und welche Gedanken jetzt in meinem Kopf Achterbahn fahren. Am Sonntag, den 25. April 2021 lief ich die 42,2 Kilometer. Natürlich war es kein öffentlicher Lauf, schließlich befanden wir uns noch inmitten der Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie. Trotzdem setzten einige Läufer unseres Lauftreffs und ich uns im Januar das Ziel, diese Distanz am besagten Termin zu laufen – dann eben mit selbst geplanter Strecke, was zwei meiner Lauffreunde übernahmen. Die Route wurde via GPS-Datei auf die Laufuhr geladen und los ging es. Unsere Leidenschaft zum Laufen motivierte uns, erfinderisch zu werden und den Marathonlauf nicht vor uns herzuschieben, bis irgendwann wieder „echte“ Laufevents stattfinden dürfen.

Das erfahrenste Mitglied unserer Laufgruppe teilte mit uns einen Trainingsplan für die Zielzeit von knapp unter vier Stunden. Ich übertrug die Trainingseinheiten in meinen Kalender im Smartphone. Inklusive einiger Ergänzungstrainings mit Kraft- und Stabilitätsübungen sowie den langen Laufeinheiten sonntags war mein Terminplaner außerhalb der Arbeitszeiten reichlich gefüllt. Von wegen Langeweile während des Lockdowns!

Freude und Erleichterung nach dem Marathon

Freude und Erleichterung nach dem Marathon. © Kirsten Dümeland

Wie genau mein Training und meine Erfahrungen im Rahmen meiner Vorbereitungen auf den nun mehr dritten Marathon meines Lebens verliefen, möchte ich in einem späteren Beitrag vertiefen. Nur schon einmal so viel. Das Training war insoweit sehr erfolgreich, dass ich mich um ganze 13 Minuten im Vergleich zum vorherigen Marathon im Oktober 2019 verbessern konnte. Ich verfehlte nur knapp die 4-Stunden-Marke mit 04:01:34h. Natürlich könnte ich mich fragen, ob ich nicht während des Laufs irgendetwas hätte besser machen können. Ich weiß aber, ich habe an diesem Tag mein Bestes aus mir herausgeholt. Wahrscheinlich hätte ich es in einer realen Laufveranstaltung mit Wettkampfatmosphäre geschafft. Mit Zuschauern am Rand der Strecke, die anfeuern, Trommlern und Musikern, deren Rhythmus automatisch pusht, abgesperrte Straßen etc. Wer weiß…

Urkunde selbst organisierter Marathon während des Lockdowns 2021

Selbst gestaltete Urkunde zur Erinnerung an unseren selbst organisierten Marathon während des Lockdowns 2021

Regeneration nach dem Marathon

Nun sind bereits einige Tage vergangen seit dem Marathon, auf den ich ein viertel Jahr hintrainiert habe. Auf einmal ist da diese Leere in meinem Kalender. Nicht nur dort, irgendwie auch im Kopf. Das Ziel des Marathons liegt in der Vergangenheit. Zeit, um neue Ziele zu setzen? Vielleicht. Demnächst. Mir ist bewusst, dass die Regenerationszeit nach einem Marathon nicht zu unterschätzen ist. Ich darf einige Wochen nur auf Sparflamme meinem Lieblingssport nachgehen, um Verletzungen vorzubeugen. Also auf Tempoeinheiten und übermäßig lange Laufeinheiten verzichten. Nicht im roten Herzfrequenzbereich laufen (also mehr als 80% der maximalen Herzfrequenz). Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich mich an diese Grundsätze halten sollte. Einige Zeit nach meinem ersten absolvierten Marathon Ende 2016 hatte ich eine Muskelverletzung, die sich schleichend über mehrere Wochen aufbaute und mich letztlich sogar zu mehreren Monaten Lauspause zwang. Nein, das muss nicht nochmal sein!

Mit der gewonnenen Zeit dem Marathon-Blues begegnen

Trotzdem, die Leere nach dem Marathon sorgt in manchen Momenten für innere Unruhe und Gedankenbrei. Baue ich durch die geringere sportliche Intensität jetzt meine mühsam erarbeitete Fitness ab? Nehme ich zu? Was tun mit der frei gewordenen Zeit? Fragen über Fragen, die kommen und gehen. Das ist er wohl, der Marathon-Blues. Zum Glück sind es nur kurze Momente, wenn ich allein bin und Zeit habe für solches Kopfzerbrechen. Also was ist folglich am besten gegen die „Nach-Marathon-Depri-Phase“ zu tun? Ganz klar, Zeit mit schönen Dingen verbringen.

Regenerationszeit nach dem Marathon mit schönen Dingen verbringen

Das Gute in dieser Phase ist, ich habe wieder Zeit zum Schreiben eines neuen Blog-Beitrags. 😊 Anstatt eines Laufs tut es auch mal ein ausgiebiger Spaziergang. Kamera eingepackt und los. Ich nehme die explodierende Natur jetzt im Frühling in dieser langsameren Geh-Geschwindigkeit viel intensiver wahr als im Lauftempo. Manchmal bleibe ich einfach stehen, um die Blüten und das Grün intensiver wahrzunehmen. Während eines Trainingslaufs nehme ich die Natur zwar auch wahr, aber ich gönne mir dabei nie die Zeit, einfach mal stehen zu bleiben, um es in voller Gänze zu genießen. Ich nehme mir die frei gewordene Zeit aber auch für mehr Kontaktpflege, zum Beispiel Telefonate am Abend. Und ja, auch Quality-Time mit meinem Mann steht wieder im Vordergrund.

Von wegen Runner’s High nach dem Marathon!

So ganz konnte ich es in der ersten Woche nach dem Marathon aber doch nicht lassen mit dem Laufen. Die erste kurze Einheit wagte ich nur drei Tage danach. Ich staunte im Alltag, wie gut ich mich fühlte. Kein Muskelkater oder sonstige Gelenkschmerzen, nur der Sonnenbrand in meinem Gesicht machte sich bemerkbar. Jedoch spürte ich bei diesem ersten Lauf nach dem Marathon schnell, dass die Energiereserven noch nicht wieder aufgefüllt waren. Die Herzfrequenz ging ziemlich schnell in den roten Bereich hoch, obwohl ich in einem für mich sonst entspannten Tempo lief. Also noch ein Beleg, es nicht zu übertreiben.

Neue Ziele: Nach dem Marathon ist vor dem Marathon?

Über neue läuferische Ziele habe ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht. Natürlich soll die magische 4-Stunden-Marke noch geknackt werden. Doch das muss nicht dieses Jahr passieren. Vielleicht wird es erstmal als Nächstes ein Halbmarathon. Hier eine neue persönliche Bestzeit aufzustellen, ist ein Ziel, das ich verfolgen kann, ohne so viel Zeit in Training investieren zu müssen wie für einen Marathon. Das reicht mir erstmal.

Ansonsten laufe ich einfach nach Lust und Laune so schnell oder langsam ich will, ohne auf einen Trainingsplan zu achten. Auch einen Lauf mal um einen Tag verschieben zu können wegen einer Verabredung, diese Flexibilität genieße ich nun. Das hilft mir sehr gut gegen den Marathon-Blues. Welche Tipps habt ihr, um den Marathon-Blues zu bekämpfen?

© Einstiegsfoto: Kirsten Dümeland

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